Abschied von gewohnten Details

Der Fortschritt bringt nicht nur Neuheiten. Damit diese neuen Entwicklungen irgendwo untergebracht werden können, müssen manchmal die alten, gewohnten und oft lieb gewonnenen Dinge weichen. Diese Binsenweisheit gilt auch für Fahrzeuge.

 

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Das gute, alte Autoradio ist heute kaum noch anzutreffen. Es wurde zunehmend ersetzt durch … Foto: © Günter Havlena/pixelio.de

Einsteigen, Fenster runter, Kassette ins Radio, laut stellen, durch die Stadt cruisen. Das ist in weiten Teilen heute noch möglich. Allerdings muss schon seit Längerem auf die Kassette verzichtet werden. Die lieb gewonnenen Bänder sind weitgehend aus dem Leben verschwunden. Ebenso das Kassettendeck im Radio. Ersetzt wurde das Kassettendeck vom Autoradio mit CD-Player. Und auch der CD-Player verschwindet langsam aber sicher, um intelligenten Infotainment-Systemen zu weichen, die über eine Internetverbindung, einen USB-Anschluss und eine Schnittstelle fürs Smartphone verfügen.

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… intelligente Infotainment-Systeme Foto: © GM Company

Besonders zerstreute und vergessliche Menschen werden es erleichtert zur Kenntnis nehmen, weil nicht mehr danach gesucht werden muss. Doch für viele ist der Verlust des Zündschlüssels ein hochemotionales Ereignis. Symbolisierte er doch Jahrzehnte lang bei der Übergabe nach dem Kauf des ersten Autos den Eintritt in die Welt der Mobilität und Freiheit. Renault hat den Schlüssel bereits durch eine Karte ersetzt, die nicht einmal mehr aus dem Portemonnaie geholt werden muss, damit die Sensoren in Tür und am Lenkrad den Chip scannen können. Auch andere Hersteller setzen zunehmend auf Chip und den Knopf zum Starten des Fahrzeugs.

Weichen wird auch der gute, alte Tacho. In vielen Fahrzeugen wurden die Zeiger schon durch digitale Anzeigen ersetzt. Künftig wird man die Geschwindigkeit jedoch auf frei konfigurierbaren Flachbildschirmen ablesen, die die Instrumente nachahmen.

Erleichtert dürften manche zur Kenntnis nehmen, dass die Fahrzeughersteller zunehmend das Ersatzrad einsparen. Das senkt nicht nur das Gewicht des Fahrzeugs und hilft so, Kraftstoff zu sparen. Im Falle einer Panne ist es nun nicht mehr notwendig, das Rad umständlich aus dem Kofferraum oder seiner Halterung zu wuchten und im Schweiße seines Angesichts die Radmuttern zu lösen, das Auto aufzubocken und das Rad zu tauschen. Die Fahrzeughersteller haben das Ersatzrad mit einem Reifenpannenset vertauscht. Einfach an die Luftzufuhr des defekten Rades anschließen, per Luftdruck den Schaum in den Mantel pressen, kurz aushärten lassen und ab in die nächste Werkstatt. Allerdings hilft dies nur bei kleineren Pannen. Bei einem geplatzten Reifen hilft dann nur der Anruf beim Pannenhelfer.

Besonders junge Leute, die gern ihre Fahrzeuge mit speziellen Auspufftöpfen ausrüsten, um den Sound ihres Motors auch noch drei Straßen weiter erklingen lassen, wird die zunehmende Verbreitung des Elektroautos wohl in einen Trauerzustand versetzen. Es ist schon abzusehen, dass das laute Dröhnen und die wohlige Vibration, die die Fußgänger an der Ampel neben dem Auto spüren, durch das sanfte Schnurren eines Elektromobils ersetzt werden.

Eines wird wohl aber noch lange erhalten bleiben. Das Lenkrad. Auch wenn viele Fahrzeughersteller und Experten seit Längerem von einem marktfähigen Fahrzeug sprechen, das die Fahrgäste vollkommen autonom transportiert, wird es wohl noch einige Zeit Zukunftsmusik bleiben. Und selbst dann werden viele Menschen nicht auf die Freiheit verzichten wollen, selbst zu fahren. Doch ob man dafür, wenn der Autopilot ausgeschaltet wurde, das Lenkrad zunächst einmal aus dem Kofferraum holen und in eine dafür vorgesehene Öffnung stecken muss, um lenken zu können, wird sich zeigen. Die Zukunft bleibt auf jeden Fall spannend.

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