Diesel: Reale Abgasgrenzwerte um das Zehnfache höher

Die strengeren Regeln der Euro-6-Abgasnorm sollten die alten, emissionsstarken Dieselfahrzeuge von der Straße holen und durch neue ersetzen. Die Autobauer schienen es bereits jetzt geschafft zu haben, die neuen, ab September kommenden Jahres geltenden Grenzwerte einzuhalten. Allerdings war dies nur ein schöner Schein, wie Studien derzeit zeigen.

 

Diesel Abgas Euro 6

Foto: © Gabi Eder/pixelio.de

Sieben- bis zehnmal höhere Werte

Die Autobauer stehen derzeit in der Kritik, dass sie bei ihren Verbrauchstests zu sehr tricksen und auf diese Weise die Werte um bis zu 25 Prozent verfälschen. Allerdings ist dies legal, die Testvorgaben sind zu weit gefasst, so dass die Fahrzeughersteller Schlupflöcher ausnutzen und ihre Autos unter irrealen Bedingungen testen können. Nun zeigt sich, dass sie offenbar auch bei den Abgaswerten ihrer Dieselfahrzeuge getrickst haben. Derzeit preisen die Autobauer ihre neuen Produkte mit dem Versprechen an, die neue EU-Abgasnorm für Dieselfahrzeuge bereits jetzt einzuhalten, knapp 1,5 Jahre, bevor diese in Kraft tritt. Die Euro-6-Norm setzt als Emissionsobergrenze für Diesel einen Ausstoß von 80 mg pro Kilometer fest. Eine Studie der Prüforganisation TNO, auf die sich die Süddeutsche Zeitung in einem Onlinebericht beruft, zeigt allerdings, dass die realen Werte sieben- bis zehnmal höher liegen.

Testverfahren aus den 1980ern

Weitere unabhängige Studien aus der BRD und Skandinavien bestätigen die Werte der TNO. Als Spitzenwert wurde bei einem als Euro-6-Fahrzeug ausgewiesenen Diesel vor einigen Jahren ein Stickoxidausstoß von 1.100 mg pro Kilometer gemessen. Der Grund für diese Diskrepanzen liegt auch hier in einem veralteten Testverfahren, das noch aus den 80er Jahren stammt. Hierbei wird die Emission des Fahrzeuges auf dem Rollenprüfstand gemessen. Dabei wird allerdings nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 30 km/h erreicht. Mit der heutigen Fahrzeugelektronik ist es ein Leichtes, die Motoren und die Abgasreinigung und die Motoren so zu programmieren, dass innerhalb dieser Werte Traumergebnisse zustande kommen, die mit der Realität allerdings gar nichts zu tun haben. Laut TNO hält lediglich eines der neun getesteten Dieselfahrzeuge die Euro-6-Bedingungen unter Realbedingungen ein.

Physikalisch keine weitere Reduzierung der Emission mehr möglich

Ab 2017 soll das alte Verfahren abgelöst werden, doch Autoexperten sehen schwarz für die Motorenklasse der Diesel. Physikalisch sei man bei der Emissionsreduzierung am Ende der Fahnenstange angelangt. Möglich wäre nun noch ein spezielles Reinigungsverfahren des Abgases. Das Verfahren sei allerdings so teuer und aufwendig, dass es sich für kleine und kompakte Autos nicht lohne.

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