Gebrauchtwagen kaufen: Urteil stärkt Rechte der Kunden

Wer einen Gebrauchtwagen kaufen will, kennt das Klischee. Gebrauchtwagenhändler seien Schlitzohren, die mit allen Mitteln versuchen, auch die marodesten Wagen zu verkaufen, hält sich hartnäckig. Doch hin und wieder bedienen Schwarze Schafe in der Branche dieses Vorurteil, wie eine junge Frau im August 2012 feststellen musste.

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Wer einen Gebrauchtwagen kaufen will, sollte sich die Hilfe eines Experten besorgen Foto: © GTÜ/pixelio.de

Auto gebraucht zu kaufen kann auch riskant sein

Das hätte auch schief gehen können. Einem Bericht des Spiegel zufolge hatte sich die junge Frau während ihres Sommerurlaubs einen 13 Jahre alten Opel Zafira für stolze 5.000 Euro gekauft, der sich kurze Zeit darauf als verkehrsuntauglicher Schrotthaufen entpuppte. Sie klagte auf Rückgabe und bekam nun Recht.

Der Tacho zeigte eine Laufleistung von 144.000 Kilometern. Auf dem 900 Kilometer langen Weg nach Hause zeigten sich die ersten Mängel am Fahrzeug. Der Motor versagte bei mehreren Gelegenheiten. Wieder daheim in Wangerooge fuhr die junge Frau umgehend zu einer Werkstatt, in der die Mechaniker wohl nicht schlecht gestaunt haben dürften. Sie listeten eine Vielzahl von Mängeln auf, darunter erhebliche bis verkehrsgefährdende wie etwa die Bremsleitungen, die durchgerostet waren.

Sicherheit bei gebrauchten Autos durch frischen TÜV?

Als die junge Frau den Gebrauchtwagenkauf rückgängig machen und den Kaufpreis zurückerstattet haben wollte, weigerte sich der Gebrauchtwagenhändler. Er verwies auf die bestandene Prüfung des Wagens durch den TÜV, die durchgeführt wurde, kurz bevor das Auto gebraucht gekauft wurde. Eine gängige Praxis bei Gebrauchtwagenhändlern, welche den Käufern der Wagen beweisen soll, dass die gebrauchten Autos hundertprozentig in Schuss sind. Die junge Frau entschloss sich, zu klagen – mit Erfolg. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied nun, dass die Frau einen Anspruch auf den Rücktritt von Kauf hat. Auf eine angebotene Nacherfüllung muss sie sich nicht einlassen. Diese Nacherfüllung bedeutet, dass der Händler nachträglich entdeckte Mängel bei gebrauchten Autos behebt.

TÜV nicht aussagekräftig beim Gebrauchtwagen-Kauf

Der Grund dafür ist, dass die TÜV-Plakette angesichts der massiven und sichtbaren Mängel nicht hätte vergeben werden dürfen. Auf die Nacherfüllung bei dem gebrauchten Auto muss sich die Frau nicht einlassen, da das Vertrauen zu dem Händler zerstört sei. Der Händler kann sich bei dem Gebrauchtwagen Kauf nicht allein auf den TÜV berufen, heißt es weiter in dem Urteil, da die Prüforganisation in solchen Fällen ein Erfüllungsgehilfe sei. Eine Revision des Urteils wurde daher zurückgewiesen.

Augen auf beim Gebrauchtwagen-Kauf

Beim Kauf gebrauchter Autos sollten daher immer die Augen offen gehalten werden. Einen Gebrauchtwagen zu kaufen ist nicht immer einfach, da Schwarze Schafe viele Möglichkeiten nutzen, um zu tricksen. Den Kilometerstand des Tachos zurückzudrehen ist da nur eine Möglichkeit. Ein gut informierter Laie kann einige Mängel und Tricks bereits selbst erkennen, wenn er einen Gebrauchtwagen kaufen will. Doch wer plant, ein Auto gebraucht zu kaufen, ist gut beraten, jemanden mitzunehmen, der sich mit der Branche auskennt. Wenn kein entsprechender Experte im Bekanntenkreis vorhanden ist, der helfen kann, den Gebrauchtwagen zu kaufen, kann auch die günstigen Angebote der Prüforganisationen und Autoclubs wahrnehmen und bei der Probefahrt einen Abstecher zu diesen machen.

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