Gefährliches Infotainment

Auf der IAA in Frankfurt feiern die Fahrzeughersteller derzeit die digitale Revolution im Fahrzeug. Und auf den ersten Blick klingt es auch gut. Durch die Vernetzung ist der Autofahrer auf dem laufenden, die Verkehrsinformationen und das Navigationsgerät können im Netz ständig aktualisiert werden, das Musikangebot vervielfacht sich durch das Internetradio und Podcasts. Allerdings hat die digitale Revolution auch ihre Schattenseiten.

 

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Die neue digitale Revolution birgt auch Gefahren Foto: © GM Company

Eigentlich sollte der Bildschirm in der Mittelkonsole den Autofahrern das Leben leichter machen. Doch facebooken, E-Mail checken und telefonieren bei voller Fahrt kann das Leben des Fahrers schlimmstenfalls drastisch verkürzen. Die digitale Revolution stellt die Autofahrer vor neue Herausforderungen. Zu schnell werden die Neuerungen missbraucht und lenken zu sehr ab.

Diesen Schluss zieht auch der Auto Club Europa (ACE). Zusammen mit der Universität Salzburg hat der Club eine Praxisstudie mit serienmäßigen Neuwagen aus den Häusern BMW, Audi und Mercedes Benz durchgeführt. In den Fahrzeugen wurden die neuen Kommunikationssysteme und Bedienmöglichkeiten genau unter die Lupe genommen. Insgesamt 36 Probanden wurden zu diesem Zweck mit aufwendiger Messtechnik getestet, die das Lenkverhalten, die Blickrichtung sowie die Herzfrequenz aufzeichnete.

Die anschließende Auswertung ergab, dass Fahrzeuge, die mit einer Sprachsteuerung ausgestattet sind, die geringste Ablenkung bieten. Allerdings ist auch hier ein geringes Unfallrisiko nicht auszuschließen. Deutlich kritischer ist es, dem Navi manuell ein Fahrziel einzugeben. Die Wissenschaftler haben bei den Probanden bis zu vier Blicke aufgezeichnet, die jeweils zwei Sekunden lang nicht auf die Fahrbahn gerichtet waren. Ein enormes Unfallrisiko.

Die Tests ergaben, dass der 1er von BMW das geringste Ablenkungspotential bietet. Auf einem knappen zweiten Platz liegt der A3 aus dem Hause Audi. Das mit Abstand größte Ablenkungspotential bietet die A-Klasse von Mercedes Benz. Allerdings müssen sich alle drei Fahrzeughersteller den Vorwurf gefallen lassen, kein wirklich durchdachtes Bedienkonzept entwickelt zu haben. Auch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) sei nun gefordert, klarzustellen, wieviel Technik im Fahrzeug noch zulässig sei. Im Fazit betonten die Tester, dass man Internet im Fahrzeug weder verteufeln noch verbannen könne. Allerdings müsse bei der Konzeption sehr auf die Inhalte und Bedienmöglichkeiten geachtet werden. Die Experten vom ACE verglichen die neuen Bedienelemente in den Fahrzeugen mit dem Cockpit eines Flugzeuges. Und wer im Auto Pilot spielen möchte, muss sich auch die für Piloten geltenden Sicherheitsbedingungen gefallen lassen.

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