Klebstoffe finden im Fahrzeugbau zunehmend Verwendung

Lange Zeit galt, dass eine gute Schweißnaht alles aushält. Und was zusammengehörte, aber im Falle eines Falles wieder gelöst werden musste, wurde eben mittels einer Schraubverbindung zusammengefügt. Doch die klassischen Methoden der Verbindung geraten zunehmend ins Hintertreffen. Stattdessen werden im Fahrzeugbau zunehmend Klebstoffe verwendet, die der Festigkeit einer Schweißnaht in nichts nachstehen.

 

Wie viele Klebstoffe derzeit genutzt werden, weiß niemand. Fachleute vermuten, dass es sich um mehr als 250.000 handelt, die unterschiedlich zusammengesetzt wurden. Die meisten sollen auf organischen Verbindungen basieren.

In den vergangenen Jahren hat die chemische Industrie enorme Fortschritte gemacht und Klebstoffe – Definition nach deutscher Industrienorm: nichtmetallische Stoffe, die Fügeteile durch Kohäsion und Adhäsion zusammenhält – entwickelt, die kaum noch etwas mit dem handelsüblichen Alleskleber gemeinsam haben.

Klebeverfahren verbessern die Fügetechnik deutlich. Im Gegensatz zum Schrauben oder Nieten müssen in den Fügeteilen keine Löcher mehr gebohrt werden, die die Stabilität beeinträchtigen können. Und anders als beim Schweißen werden die Teile fest verbunden, ohne dass hohe Temperaturen entstehen, die sich negativ auf die Materialstruktur des Werkstücks auswirken. So lassen sich Kleber auch ideal für sehr beanspruchte Teile verwenden, wie Querträger. Zur Vereinfachung der Fertigung sowie aus Kostengründen werden zunehmend auch Zahnräder verklebt. Auf diese Weise muss die Fläche nicht mehr profiliert werden, was die Herstellung der Teile günstiger macht.

Neuartige Klebstoffe werden jedoch nicht nur zur festen Verbindung von Bauteilen verwendet. Die Grenzen zwischen Kleben und Abdichten verschwinden zunehmend. Experten schätzen, dass bei der Herstellung eines PKW bis zu 15 Kilogramm Klebstoffe verwendet werden. Das meiste Material wird zum Dichten und Dämmen eingesetzt. Eine Frontscheibe halt sicherer und dämmt besser, wenn sie mittels Scheibenkleber angebracht wird, statt wie lange Zeit mit einem Gummirand. Auch im Motor ersetzen Klebstoffe zunehmend Korkdichtung und Papier. Eine effektive Kopfdichtung beispielsweise besteht heutzutage aus einer aufgesetzten, elastischen Raupe aus Kleber.

Den Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Und die Industrie bleibt dran. Chemiker entwickeln ständig neue Klebstoffe, die nach Absprache mit dem Kunden individuell aus dem Baukastensystem zusammengestellt werden. Auch dem größten Nachteil dieser Fügetechnik sind die Entwickler auf der Spur. Bislang ist das Lösen einer festen Klebeverbindung nur mit hohen Schwierigkeiten verbunden. Doch die Chemiker arbeiten derzeit an Klebstoffen, deren Wirkung mehrfach ein- und ausschaltbar ist.

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