Neues Testsystem für Kraftstoffverbrauch geplant

Derzeit sollten Autokäufer die Angaben zum Kraftstoffverbrauch skeptisch unter die Lupe nehmen. Einer Studie des International Council of Clean Transportation, kurz ICCT, zufolge unterschreiten die Daten der Fahrzeughersteller den tatsächlichen Kraftstoffverbrauch um bis zu 25 Prozent. Als Hauptursache dieses Missstandes hat das Institut das derzeitige Testverfahren, den sogenannten “Neuen Europäischen Fahrzyklus” (NEFZ) ausgemacht. Dessen Regeln sind so weit gefasst, dass die Fahrzeughersteller einen großen Spielraum für Manipulationen haben. Doch an einer Abhilfe wird gearbeitet.

 

Autokauf

Beim Kraftstoffverbrauch verrechnen sich viele Autokäufer durch ungenaue Angaben der Fahrzeughersteller. Aber Abhilfe ist in Sicht Foto: © Thorben Wengert/pixelio.de

Die Spielraum für die Manipulationen ist sehr groß. Natürlich nutzen die Autobauer jedes verfügbare legale Mittel, um ihre Daten zu schönen. Die Manipulationen reichen von der Verwendung von speziellen Leichtlaufreifen und Schmierstoffen, um Roll- und Reibungswiderstand zu senken, bis hin zum Abkleben von Spalten, um den Luftwiderstand zu verringern. Der Leidtragende ist der Autokäufer, der diesen Manipulationen aufsitzt und so im Durchschnitt 300 Euro mehr für Kraftstoff zahlen muss, als gedacht.

Eine Besserung ist jedoch in Sicht. Derzeit wird ein neuer Testzyklus erarbeitet. Das System namens “Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedures”, kurz WLTP, soll 2014 fertig sein und weltweite Gültigkeit haben. Laut Plan soll der WLTP 2017 in Europa eingeführt werden. Der Automobilclub ADAC ist von der neuen Prozedur schon überzeugt, da es viel realitätsnäher sei als der NEFZ.

Allerdings erweist sich der Verband der Automobilindustrie als Bremse. Der NEFZ ist einem Sprecher zufolge derzeit der einzige Test, der einen Vergleich bietet. Ein anderer Test sei nicht zertifiziert und unter gleichen Bedingungen wiederholbar. Wie nervös man beim VDA ist, zeigt des Brief von Matthias Wissmann, dem Präsidenten des Verbandes, in dem er kurz vor der Bundestagswahl Angela Merkel aufforderte, der deutschen Automobilindustrie zu helfen. In dem Schreiben erwähnte Wissmann auch den WLTP. Verständlich, profitieren die Fahrzeughersteller doch doppelt. Zum einen durch die ungenauen Daten beim Verkauf der Fahrzeuge, zum anderen durch das Unterlaufen der zugelassenen CO2-Grenzwerte der EU. Der VDA sei zwar dafür, dass der Autokäufer seine Entscheidung nicht mehr aufgrund ungenauer Angaben treffen müsse. Allerdings möchte man offenbar weiterhin den NEFZ nutzen, um die CO2-Emissionswerte zu schönen.

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