Sparsame Autos: Neuer Test zum Benzinverbrauch kommt 2017

Den meisten Neuwagenkäufern dürfte das Ärgernis bekannt sein. Auf dem Papier sehen die Werte zum Kraftstoffverbrauch der Pkw traumhaft aus, selbst Dickschiffe wie SUVs scheinen sparsame Autos zu sein, die einen durchschnittlichen Spritverbrauch aufweisen, den in den 1990er Jahren ein Kleinwagen hatte. Doch nach den ersten Wochen und den Erlebnissen an der Tankstelle kommt man ins Grübeln. Bei einigen Fahrzeugen reicht es bereits, die Daten im Kopf zu überschlagen, um sich klarzuwerden, dass da irgendetwas nicht stimmen kann. Die Unterschiede zwischen dem theoretischen Kraftstoffverbrauch der Pkw auf dem Papier der Fahrzeughersteller und dem realen Spritverbrauch ist teils gravierend. Ab 2017 soll sich dies allerdings ändern. Gut für die Verbraucher, schlecht für die Autobauer.

Neuer Test zum Benzinverbrauch kommt

Neuer Test zum Benzinverbrauch kommt

Deutliche Unterschiede beim Kraftstoffverbrauch der Pkw

Tests zum Benzinverbrauch ergaben, dass der Unterschied zwischen dem auf den Datenblättern der Fahrzeughersteller angegebene Kraftstoffverbrauch der Pkw und der reale Spritverbrauch in gravierenden Fällen bis zu 25 Prozent beträgt. Der Grund ist, dass die Autobauer bei dem zugelassenen Test zum Kraftstoffverbrauch der Pkw, dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ), die Lücken weidlich ausgenutzt haben, welche die Vorschriften zu dem Test aufwiesen. So klebten sie etwa Löcher und Rillen ab, um den Luftwiderstand zu senken, benutzten Hochleistungsschmiermittel, welche nie im freien Handel erscheinen oder zogen bei den Tests spezielle Reifen auf um dem Reibungswiderstand zu mindern. Spritfresser wie die Klimaanlage wurden ausgeschaltet. Zudem musste das Fahrzeug mit maximal 120 km/h beschleunigt werden, um den Benzinverbrauch zu ermitteln. Auf diese Weise erreichten sie Werte beim Spritverbrauch, welche die Fahrzeuge wie sparsame Autos wirken ließen, die jedoch an Utopie grenzten. Damit soll nun Schluss sein.

WLTP schließt Lücken

Ab 2017 wird in Europa und Teilen der Welt ein neues, normiertes Testverfahren zum Benzinverbrauch eingeführt, welcher die Lücken des NEFZ schließen soll – der „Worldwide harmonized light vehicles test procedures“, kurz WLTP. Zwar wird auch dieser Test unter Laborbedingungen erfolgen, doch die Vorgaben zum Test für den Kraftstoffverbrauch für Pkw sind deutlich näher an der Praxis als beim NEFZ. So wird das zu testende Fahrzeug deutlich länger gefahren als beim Test zuvor, wirklich sparsame Autos besser erkannt. Zudem ist die vorgeschriebene maximale Geschwindigkeit höher als beim NEFZ.

Höhere Geschwindigkeiten, längere Strecken

Der Test wird in vier einzelne Phasen aufgeteilt sein. Der Benzinverbrauch wird mit dem WLTP bei Geschwindigkeiten bis 60 km/h, 80 km/h, 100 km/h sowie über 130 km/h ermittelt. Damit liegt die durchschnittliche Geschwindigkeit knapp 14 km/h über der des NEFZ und ist mit 47 km/h deutlich näher an der durchschnittlichen Geschwindigkeit im Stadtbetrieb. Darüber hinaus wurde die Gesamtstrecke, welche das Fahrzeug zurücklegen muss, um 12 auf 23 Kilometer angehoben.

Benzinverbrauch: Downsizing erschafft nicht unbedingt sparsame Autos

Die Einführung des neuen Testverfahrens zum Benzinverbrauch ist selbstverständlich gut für die Verbraucher, da es näher an den realistischen Bedingungen liegt als beim NEFZ und sie wirklich sicher sein können, sparsame Autos zu kaufen. Doch für die Autobauer ist die Einführung des WLTP verständlicherweise keine gute Entwicklung. Einerseits, weil die Lücken bei den Vorgaben entfallen und Tricksen schwieriger wird, zum anderen, weil der neue Test den Fahrzeugherstellern beim Downsizing-Trend einen Strich durch die Rechnung macht. Denn der WLTP begünstigt große Antriebe beim Test zum Spritverbrauch. Diese profitieren einerseits von den längeren Testzeiten und andererseits von den höheren Geschwindigkeiten. Kleinere Motoren sind für längere Volllastzeiten nicht ausgelegt, ihr Spritverbrauch steigt stark an.

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